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Rezensionen
Hier präsentieren wir einige unserer Rezensionen, geordnet nach Autorennamen.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

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Lira Bajramaj
Mein Tor ins Leben
Random House

Über Remscheid an die Weltspitze
Sie ist Welt- und Europameisterin, gehört zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Frauenfußballs, gilt als kommender Werbestar - und ist gerade einmal 21 Jahre alt. Die junge Muslimin Fatmire alias Lira Bajramaj hat wahrlich eine steile Karriere hinter sich. Wie steil diese bislang verlief, davon erzählt ihre Biografie. Denn hier spricht sie nicht nur als erfolgreiche Sportlerin, sondern auch als "Flüchtling", als der das kleine Mädchen aus dem Kosovo einst nach Deutschland kam.

Kindheit und Flucht
"Ich heiße Fatmire, aber seit ich denken kann, nennen mich alle nur Lira. Ich bin eine gebürtige Kosovo-Albanerin. Wer mich und mein Leben verstehen will, muss in die Geschichte des früheren Jugoslawien eintauchen. Hinein in die Wirren ethnischer Konflikte, in die Wirren des Krieges." Lira schildert zunächst die Harmonie der ersten Kinderjahre, dann die Repressalien der Serben gegenüber den Kosovo-Albanern, der immer größeren Angst und schließlich dem Entschluss ihrer Eltern, aus der geliebten Heimat zu fliehen. Aus Gjurakovc, einem Dorf mit ganzen acht Häusern, schafft es die Familie über Bulgarien bis zur deutsch-tschechischen Grenze. Dort wird der Preis für die Freiheit der insgesamt zwölf in ein Auto gepferchten Menschen von einem tschechischen Grenzbeamten auf 20 Mark taxiert. Der letzte Akt dieses Dramas ist der Fußmarsch über die Grenze - vom Bellen der Hunde träumt Lira noch heute manchmal. Dann ist sie in Deutschland.

Flüchtlingsalltag
Lira ist gerade einmal fünf Jahre alt. Ihr erstes deutsches "Zuhause" ist ein Flüchtlingsheim in Remscheid. Eine Weile hoffen die Eltern noch, in ihre Heimat zurückkehren zu können. Als der Krieg sie zwingt, diesen Traum aufzugeben, sucht sich der Vater mit Hilfe eines Cousins, der schon früher nach Deutschland geflohen ist, einen Job. Der gelernte Karosseriebauer heuert auf einer Baustelle an. Besonders für die Mutter, die für die Kinder sorgt und kaum aus ihrer Wohnung rauskommt, ist dies eine harte Zeit. Und auch die kleine Lira hat zu kämpfen: Alles ist ihr fremd, sie versteht die Sprache der anderen nicht, der Kindergarten ist für sie einfach ein Albtraum...

Schutzengel
.. bis sie ihren ersten "Kumpel" Ramadan kennenlernt. Er stammt ebenfalls aus dem Kosovo und hilft ihr, sich verständlich zu machen; wie auch die Kindergärtnerin, die sie beim Deutschlernen kräftig unterstützt. Überhaupt scheint es in jeder Lebensphase Liras Menschen zu geben, auf die sie ganz besonders zählen kann. Das sind natürlich ihre Eltern und ihre Brüder, die allesamt mächtig stolz sind auf ihre "kleine Prinzessin". Und so ist man auch nur kurz irritiert, wenn die junge Frau von ihrem Vertrauen in höhere Mächte spricht: "Meine Schutzengel werden es hoffentlich richten..."

Mit Zug zum Tor
Auch wenn ihr Buch in Zusammenarbeit mit kicker-Sportredaktuerin Jana Wiske und Liras Manager Dietmar Ness entstand: Der Ton, in dem Lira hier erzählt, ist ihr eigener. Er ist direkt, manchmal frech und zeugt immer von einem sicheren Gefühl dafür, was ihr wichtig ist. So schreibt sie mal mädchenhaft kokett von ihrem Modetick und ihren Stylingvorlieben, um gleich darauf ebenso bestimmt wie glaubwürdig zu erklären, dass sie Migrantenkindern mit ihrem Buch Mut machen möchte, an sich zu glauben und ihren eigenen Weg zu gehen. Und was ihr der Fußball bedeutet, fasst sie in den folgenden glasklaren Satz: "Der Sport ist mein Leben."

Bilderbuchlaufbahn
Schon in der ersten Klasse entdeckt Lira ihre Leidenschaft für den "Männersport". Anfangs heimlich, später mit voller Unterstützung ihres Vaters geht das zierliche Mädchen seinen Weg. Der führt sie vom DJK/VfL Giesenkirchen über den FSC Mönchengladbach und den FCR Duisburg schließlich 2009 zum 1. FFC Turbine Potsdam. 2007 wird sie im deutschen Trikot Weltmeisterin, 2009 folgt der Europameistertitel. Zusammen mit Birgit Prinz und "Kaiser" Franz Beckenbauer wirbt sie für Deutschland als Austragungsort der WM 2011 - mit Erfolg, und seitdem ist es ihr großer Traum, bei diesem Turnier dabei zu sein. "Diesem Ziel werde ich alles andere unterordnen." Man wünscht ihr, dass sie es erreicht. Und vielleicht schaut sich dann ja nicht nur Dr. Theo Zwanziger, der große Mentor des deutschen Frauenfußballs, sondern auch Herr Dr. Thilo Sarrazin das eine oder andere Spiel Liras an.

© Roland Große Holtforth, Literaturtest
für das Online-Magazin der Verlagsgruppe Random House