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Paul Auster
Die Brooklyn-Revue
Rowohlt
Der etwas andere Auster
Der erfahrene Auster-Leser glaubt zu wissen, worauf er sich einlässt, wenn er "Die Brooklyn-Revue" aufschlägt, das neueste Buch des amerikanischen Schriftstellers. Er ermahnt sich selbst zur Konzentration, um die verflochtenen Handlungsstränge nicht noch mehr zu verwirren, ist auf unvorhersehbare Zufälle vorbereitet und freut sich bei vorherrschender Melancholie auf eine meisterliche Sprache.
"Die Brooklyn-Revue" erfüllt die Erwartungen des Lesers, aber sie überrascht ihn auch. Wie in einer Theaterrevue entstehen Bildergeschichten gescheiterter Existenzen unterschiedlichster Herkunft. Durch Zufälle treffen diese Menschen aufeinander und helfen sich gegenseitig aus der Misere, in bewährter amerikanischer Tradition, die in Brooklyn noch gelebt wird. Auster selbst wohnt hier seit fast 30 Jahren und sagte in einem Interview: "Ich habe mich mein ganzes Leben lang fremd gefühlt, ganz gleich, wo ich war. Das hat in Brooklyn aufgehört." Vielleicht liegt hier die Ursache für die optimistische Grundstimmung der Geschichte und die fast liebevolle Beschreibung der meisten Charaktere.
Der Leser darf aber auch teilhaben an den Exkursen in die Literaturwissenschaft, wie bei den Gesprächen über Kafkas Puppengeschichte, über Edgar Alan Poe oder den Philosophen Wittgenstein. Wunderschön sind die Naturbeschreibungen, ein Beispiel: "Die tanzenden Blätter, die vom Wind bewegt wie verwundete Motten im Gezweig einer Espe flattern."
Und dabei fängt die Revue gar nicht so lyrisch an. Nathan Glass, Ich-Erzähler und Protagonist der Geschichte, kommt nach Brooklyn, um in Ruhe zu sterben. Er ist 59 Jahre alt, krebskrank, Frührentner und frisch geschieden. Ganz zufällig trifft er seinen Neffen Tom, den er jahrelang nicht gesehen hat und der nach abgebrochenem Studium in einem Antiquariat arbeitet. Schließlich sind da Harry, der schwule und etwas undurchsichtige Besitzer des Antiquariats, und Toms Nichte Lucy, die plötzlich vor der Tür steht. Sie alle bringen ihr Leben in diese Revue, und die meisten erfahren schließlich, was Glück ist.
© Roland Große Holtforth, Literaturtest
im Auftrag von Buchkatalog.de
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