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Interviews
Hier präsentieren wir einige unserer Interviews, geordnet nach den Anfangsbuchstaben der Autoren.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

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Philipp Vandenberg
Das Pharao-Komplott
Lübbe

Interview mit Philipp Vandenberg

Im "Pharao-Komplott" führen Sie den Leser nach Ägypten, und lassen in einer Art archäologischem Kriminalstück die Zeit des 1.Weltkriegs auferstehen. Wann wurde Ihr Interesse an kulturhistorischen Themen geweckt?
Das Interesse war schon in der Schulzeit da. Ich bin Humanist und habe Griechisch und Latein gelernt. Damit bin ich heute ein Fossil, denn selbst an meinem Gymnasium in Burghausen wird kein Griechisch mehr gelehrt. Meine Fähigkeiten in diesen Fächern waren nicht so groß. Aber die Lehrer zogen mich durch das Abitur, weil ich andere Stärken hatte, vor allem in Kunst und in Deutsch. Dass ich allerdings einmal der meistübersetzte deutschsprachige Autor werden würde, war daraus nicht abzuleiten. Ich glaube, es braucht dreierlei, um ein erfolgreicher Autor zu werden: ein Drittel Können, ein Drittel unbedingtes Wollen und ein Drittel Glück.

Es ist nicht leicht, Ihre Bücher einer Sparte zuzuordnen. Handelt es sich in erster Linie um Sachbücher oder doch eher um Fiktion?
Ich begann vor 30 Jahren mit Sachbüchern. "Der Fluch der Pharaonen" war eigentlich ein Sachbuch. Aber es war stellenweise romanhaft geschrieben. Man sagte mir, meine Art zu schreiben sei eigentlich typisch angelsächsisch. Ich wusste das nicht, es kam einfach so von innen. Ich wollte spannend schreiben. Und da kam meine Lektorin und sagte zu mir: "Schreib doch Romane!" Zuerst hatte ich Angst davor, denn es gibt in Deutschland eine Regel: Ein Sachbuchautor darf nie einen Roman schreiben, und ein Romanautor nie ein Sachbuch. Und dann hatte ich ein ganz besonderes Erlebnis: Ich fuhr nach Pompeji, auf der Suche nach Inspiration. Am letzten Tag stand ich in den Stabianerthermen vor einer dieser "Gipsleichen". (Man hatte die Hohlräume mit Gips gefüllt, die die vom Erdbeben überraschten Einwohner der Stadt hinterlassen hatten.) Und dann bemerkte ich diese Besonderheit: Die Figur lachte! Vor meinem geistigen Auge lief ein Film ab, und ich begann, "Der Pompejaner", meinen ersten Roman, zu schreiben. Heute schreibe ich nur noch Romane.

Wie entwickeln Sie Ihre Figuren? Gibt es reale Vorbilder?
Meine Protagonisten sind nie ganz erfunden. Sie setzen sich aus mehreren realen Figuren zusammen. Ich habe eine scharfe Beobachtungsgabe. Und ich "speichere" interessante Menschen. Manchmal erlaube ich mir auch kleine Bosheiten in der Charakterisierung. Einmal erkannte sich zum Beispiel ein bekannter Journalist wieder, den ich recht bissig gezeichnet hatte. Aber er konnte darüber lachen.

Besonders spannend ist die Darstellung der Handlungsorte. Recherchieren Sie selber vor Ort, wenn Sie ein Buch schreiben?
Es ist ein eiserner Grundsatz von mir, dass ich keinen Ort - auch nicht den kleinsten - beschreibe, den ich nicht selber besucht habe. Das Wort "Vandenberg-Tourismus" ist keine Erfindung von mir. Leser bestätigen mir immer wieder, dass sie alles genauso vorgefunden hätten, wie es in meinen Büchern steht. Meine Fantasie ist grenzenlos, aber ich muss nicht alles erfinden. Ich bin zum Beispiel für drei Tage nach Luxor geflogen, nur um einen nächtlichen Esels-Ritt durch das Tal der Könige beschreiben zu können. Übrigens bin ich nur deshalb so fleißig, weil ich dann wieder faul sein kann. So recherchiere ich an drei Büchern gleichzeitig. Das kostet Kraft, aber ich finde das in Ordnung. Nach einem Zusammenbruch bin ich einmal auf der Intensivstation gelandet. Meine Erlebnisse dort habe ich in meinem Buch "Die Akte Golgatha" verwendet.

Sie leben in einem Turm der "längsten Burg Europas", die aus dem 15. Jh. stammt. Ist dies der Ort, an dem Sie Inspiration finden?
Ich lebe im Schergenturm der Burg von Burghausen. In dieser liebenswerten Stadt habe ich mein Abitur gemacht. Als Junge war ich oft in der Burg, weil es so abenteuerlich war. Schon damals war es ein Traum von mir, diesen Ort der Abenteuer nicht mehr verlassen zu müssen und in einem der Türme zu leben. Nun habe ich mir diesen Traum erfüllt und lebe einen Teil des Jahres mit meiner Frau und dem Burggespenst Edelbert hier. Die Fantasie wallt an diesem Ort ganz von selbst. Und so ist hier zum Beispiel mein erster Mittelalterroman, "Der Fluch des Kopernikus", entstanden.

Die Fragen stellte Mathias Voigt.
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