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Andrea Maria Schenkel
Kalteis
Edition Nautilus
Interview mit Andrea Maria Schenkel
Frau Schenkel, herzlichen Glückwunsch zum Corine Weltbild-Leserpreis 2007!
Frühere Gewinnerin-nen waren z.B. Cecilia Ahern oder Diana Gabaldon - fühlen
Sie sich wohl in dieser "Reihe"?
Ich denke schon. Soweit ich weiß, sind beide Autorinnen Quereinsteigerinnen,
Frauen also, die bis zur Veröffentlichung ihres Buches ganz normal gelebt haben
und mit denen ich, wenn auch in einem anderen Genre, die Liebe zum Schreiben
teile.
Die Preisverleihung findet im Rahmen einer großen TV-Gala statt. Sind Sie
inzwischen schon zum "Medien-Profi" geworden und stehen solchen Ereignissen ganz
nüchtern gegenüber?
Ich freue mich darauf - und ich bin natürlich nervös und auch ein wenig
aufgeregt. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich wäre es nicht. Ganz
"nüchtern" steht man so einem Ereignis nie gegenüber. Dazu ist es einfach viel
zu aufregend!
Wie hat sich Ihr Alltag verändert? Lesungen, Interviewtermine etc. dürften
Sie einigermaßen beanspruchen!
Ja, das kann man sagen. Aber ich lese sehr gerne, und darum sind Lesungen für
mich, bisher zumindest, nicht anstrengend. Mir ist es sehr wichtig, mit meinen
Lesern ins Gespräch zu kommen, alles ist dann nicht mehr so anonym und
unpersönlich. Ich versuche immer, Lesungen zu einem besonderen Ereignis für die
Zuhörer zu machen. Sie sollen sich auf den Abend freuen und ihn in guter
Erinnerung behalten.
Wie wichtig ist Ihnen dabei Ihr gewohntes Umfeld? Sie leben auf dem Land, in
dörflicher Atmosphäre.
Es ist für mich sehr wichtig. Zu Hause bin ich einfach nur die Andrea, da hat
sich nichts geändert, da ist alles so geblieben, und das ist gut so. Und wenn
unser kleiner Nachbarsjunge sagt, "Du, Mama, schau, da ist ja meine Andrea in
der Zeitung", dann freut mich das.
In "Tannöd" lassen Sie Protagonisten und Nebenfiguren in interviewähnlichen
Sequenzen selbst zu Wort kommen. Was war für Sie der besondere Reiz an dieser
Erzählform?
Die unterschiedlichen Perspektiven machen die Geschichte lebendiger, bringen sie
näher an die Realität. Es macht Spaß, sich beim Schreiben in die
unterschiedlichen Personen und Charaktere hineinzudenken, diese zum Leben zu
erwecken!
Ihr Roman bezieht sich auf einen authentischen Fall aus den 20er-Jahren. Wie
viel an dem Buch ist authentisch, wie viel Fiktion?
Der Fall, das Grundgerüst, ist authentisch, alles andere Fiktion und
Imagination.
Ihr Krimi orientiert sich ganz offensichtlich nicht an den aktuellen Trends
der "Branche". Sie finden einen ganz eigenen Ton, setzen auf ein ungewöhnliches
Setting. Verfolgen Sie, was andere Kriminal-Autoren so produzieren?
Ich habe das Buch so geschrieben, wie ich selbst als Leser es gerne lesen
möchte. Ich denke, ein Buch kann nur dann gut werden, wenn der Leser merkt, dass
der Autor es mit seinem Herzen geschrieben hat, das Buch authentisch und ehrlich
ist. Es ist wie mit allen Dingen im Leben: Man muss es gerne machen, nur dann
gelingt es.
Sie haben es mit Ihrem Debüt "Tannöd" auf alle Bestsellerlisten geschafft.
Wie kam diese Lawine ins Rollen, und wie wichtig war dafür die Präsentation des
Titels in Elke Heidenreichs Sendung "LESEN!"?
Das Buch kam ja bereits im Februar 2006 heraus und war eigentlich für ein Debüt
auch im letzten Jahr sehr erfolgreich. Es war bereits seit seinem Erscheinen auf
der "KrimiWelt-Bestenliste" auf den ersten Plätzen. Mit der Sendung "Lesen!" von
Elke Heidenreich und dem Deutschen Krimipreis 2007 wurde es einem noch größeren
Publikum bekannt - und so auch bei vielen "Nichtkrimilesern" ein Erfolg, wie mir
diese immer wieder auf Lesungen sagen.
Ihr zweites Buch, "Kalteis", spielt im München der 30er-Jahre. Haben Sie
schon überraschte Reaktionen bekommen, dass Sie das ländliche Milieu verlassen
haben?
Nein, bisher noch überhaupt nicht. Und für mich war von Anfang an klar, dass
mein nächstes Buch nicht mehr in einer dörflichen Umgebung spielen wird.
Gibt es Parallelen zwischen "Kalteis" und "Tannöd"? Orientiert sich die
Geschichte wieder an einem authentischen Fall?
Ja. Ich denke, das ist dann auch so ziemlich die einzige Parallele zwischen
beiden Büchern - aber das sollten die Leser am besten selbst beurteilen.
In "Kalteis" geht es um einen Frauenmörder im München der 30er-Jahre. Der wahre
Täter hinter meiner Romanfigur war bekannt als der "Schrecken des Münchener
Westens". Ein halbes Dutzend Morde und fast 100 Vergewaltigungen sollen von
diesem Täter verübt worden sein. Er wurde im Jahre 1939 in München-Stadelheim
hingerichtet, wie damals in Bayern üblich mit der Fallschwertmaschine.
© Henrik Flor, Literaturtest
im Auftrag von Weltbild
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