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Nicolas Remin
Die Masken von San Marco
Kindler
Interview mit Nicolas Remin
Ein Kriminalroman steht und fällt mit der Figur des Ermittlers. Wie würden Sie in wenigen Worten Ihren Commissario Tron charakterisieren?
Leise, unauffällig, dabei sehr selbstbewusst. Ansonsten ein melancholischer Skeptiker.
Wie viel hat das heutige Venedig noch von der Faszination, die die Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts besaß, also in der Zeit, in der Ihre Romane spielen?
Sehr viel. Man sollte sich auch nicht einbilden, dass Venedig früher weniger von Touristen überlaufen war als heute. Venedig gehört zu den wenigen Städten, die ihr Bild in den letzten zweihundert Jahren kaum verändert haben. Sämtliche Schauplätze des Romans (bis auf den Neubau des Bahnhofes) existieren noch unverändert.
Mit Commissario Brunetti gibt es neben Tron einen weiteren prominenten venezianischen Ermittler. Verfolgen Sie seine Fälle?
Ich bin kein Leser von Kriminalromanen, aber ich liebe Donna Leon. Sie schreibt wunderbare Geschichten und hat ihren Erfolg verdient. Neuerscheinungen aus ihrer Feder werden von mir umgehend angeschafft und gelesen.
Wie muss man sich Ihre Recherchen vorstellen? Verbringen Sie viel Zeit in Venedig?
Meine Recherchen finden in meiner Bibliothek statt. Das Fehlende wird angeschafft. In Venedig bin ich alle zwei Jahre im Winter.
Welche Ziele setzen Sie sich selbst, wenn Sie einen Roman schreiben?
Die meisten historischen Romane benutzen den Zeithintergrund als bloße Kulisse. Mein Ziel ist es, eine möglichst dichte Verflochtenheit der Handlung und der Figuren mit der Zeitgeschichte herzustellen; also im Fall der Tron-Romane eine Geschichte zu schreiben, die so nur in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielen kann.
Sie begannen relativ spät mit der Veröffentlichung des Tron-Zyklus. Wie sah der Weg dorthin aus?
Ich war immer schon ein fanatischer Leser. Und jeder fanatische Leser hat irgendwann das Bedürfnis, selbst zu schreiben. Bei mir hat das ein wenig gedauert.
© Roland Große Holtforth, Literaturtest
im Auftrag von Weltbild
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