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Terry Pratchett
Klonk!
Manhattan
 
Interview mit Terry Pratchett
Sie sind kein typischer Fantasy-Autor ....
.... was ist das: "ein typischer Fantasy-Autor"?
Nun, vielen Lesern von Fantasy-Romanen scheinen diese eine Art Weltflucht zu ermöglichen ...
Die Scheibenwelt entspringt einer Fantasie, und ich bin ein Fantasy-Autor. Begegnen Ihnen etwa diese Trolle, Zwerge oder Hexen? Sie sind Fantasiegestalten. Aber ich versuche, sie innerhalb der Scheibenwelt so realistisch wie möglich darzustellen. Denn dadurch, dass ich sie realistisch beschreibe, werden sie komisch. Also, wenn meine Bücher nicht zum Genre Fantasy gehören, zu welchem denn dann?
Das stimmt schon. Andererseits geht es in Ihren Büchern auch immer um Phänomene aus der "wirklichen Welt", etwa Rassismus, Intoleranz usw.
Richtig. Aber es ist ja nicht so, dass ich Konflikte aus der realen Welt einfach 1:1 in die Fantasy-Welt übertrage. Wenn man Trolle und Zwerge erfindet und sie dann als wirkliche Geschöpfe und nicht als die Verkörperungen von Stereotypen behandelt, dann müssen sie einfach auch Konflikte und Probleme haben -- und zwar ihre ganz besonderen eigenen Konflikte und Probleme, auch wenn diese unseren so ähnlich zu sein scheinen. Bei meinem Buch Nur du kannst die Menschheit retten spielt als Hintergrund der erste Golfkrieg eine wichtige Rolle. Zehn Jahre nachdem das Buch zum ersten Mal veröffentlicht worden war, wollten wir für die zweite, aktualisierte Auflage ein neues Vorwort schreiben. Aber wir mussten es gar nicht: vom Mittleren Osten bis zum Golf herrschte immer noch Krieg!
Ein Redakteur eines deutschen Satiremagazins erzählte einmal, dass er nur ein einziges Mal in seinem Leben in einem Billardsalon Zeuge eines Gesprächs über Bücher gewesen sei -- es ging um Scheibenwelt-Bücher. Wie sind Ihre Erfahrungen: Glauben Sie, dass Sie viele Menschen mit Büchern in Kontakt gebracht haben?
Es wäre schön, wenn das der Fall wäre. Fantasy ist ein guter Einstieg ins Lesen überhaupt. Ich bekomme eine Menge Briefe von Eltern und Lehrern, die mir schreiben, dass ich ihre Kids zum Lesen gebracht habe. Und die Leserschaft der Scheibenwelt-Romane scheint mit dem Mainstream der Fantasy-Fangemeinde nicht viel zu tun zu haben. Vor zehn Jahren fand in Großbritannien die erste "Scheibenwelt-Konferenz" statt, an der etwa 900 Menschen teilnahmen. Dort habe ich eine Menge Leute getroffen, die das Wort "Fangemeinde" noch nie im Leben gehört hatten.
Meine Lieblingsszene in Klonk! ist das Gespräch mit Tod, als der Disorganizer diese Konversation unterbricht, um Sam daran zu erinnern, dass er seinem Sohn aus "Wo ist meine Kuh?" vorlesen muss. Sam erwacht zu neuem Leben und schreit die Worte aus dem Buch quer durch das Tal von Koom ...
... weil es 6 Uhr ist! Pünktlich um diese Zeit muss er seinem Sohn vorlesen. Die meisten Väter und Mütter wissen, wie wichtig das Vorlesen vor dem Schlafengehen ist! Das ist eine lustige Szene, aber ich hoffe, dass sie auch ein wenig verstörend wirkt. Einige Leute haben gesagt, meine Bücher seien dunkler geworden, aber das ist nichts Schlechtes. Man braucht Dunkelheit, um Licht wahrnehmbar zu machen. Aber ich bin auf eine andere Szene in Klonk! noch stolzer: das Ende. Es ist kein Happyend, aber es zeigt die Möglichkeit zum Frieden. Und das ist das Beste, auf das man in einer realen Welt hoffen kann. Der uralte Krieg zwischen Zwergen und Trollen -- nun, das ist nichts, das man durch ein Händeschütteln beenden könnte. Aber es gibt Hoffnung. Nehmen Sie Südafrika. Viele Jahre lang lebten wir mit dem Apartheid-Regime. Dann kam ein guter Mann und gab dem Ganzen eine neue Wendung. Sie sehen: Man braucht die Politiker.
Heute werden Sie eine Ihrer legendären Ein-Mann-Shows präsentieren. Für alle die, die noch nicht dabei waren: Das ist weniger eine Lesung, vielmehr fordern Sie die Zuschauer auf, Ihnen Fragen zu stellen usw. Ist das eine Art Ausgleich für die vielen einsamen Stunden vor dem Computer?
Waren Sie schon mal auf einer normalen Lesung? Wissen Sie, wie das abläuft? Einfach nur jemandem zuhören, der vorliest? Das kann ziemlich öde sein. Ich bin mir sicher, dass meine Leser alleine lesen können! Aber ich weiß, was Sie meinen. Manchmal kann das Leben eines Autors einsam sein. Allerdings kann es auch ziemlich hart sein, vor ein paar hundert Leuten zu sprechen. Aber ich habe viele Jahre als Journalist gearbeitet, ich kann also damit umgehen. Mir macht es Spaß!
Zum Schluss eine Frage, die alle Fans interessieren dürfte: Gibt es Neuigkeiten bezüglich der Verfilmung von Ein gutes Omen durch Terry Gilliam?
Ich weiß es nicht. Was andere Verfilmungen angeht, sieht es im Moment wie folgt aus: Mob Film hat eine vier Stunden lange Adaption von Schweinsgalopp für SKY produziert, die zu Weihnachten gesendet werden soll. Sony hat die Rechte an Kleine, freie Männer erworben, Regie wird Sam Raimi führen. Und, um zu Ihrer Frage zurückzukommen: Wir sprechen immer noch mit Terry Gilliam über Ein gutes Omen. Vielleicht wird ja noch etwas draus. Wunder geschehen.
© Melanie Rohrmann, Literaturtest
im Auftrag von Amazon.de
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