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Jamie Oliver
Genial italienisch
Dorling Kindersley
 
Interview mit Jamie Oliver
Ein kreatives kulinarisches Abenteuer war seine Italienreise für Jamie Oliver. Im Interview erzählt er von der einmaligen Leidenschaft der Italiener für alles, was mit Essen und Kochen zu tun hat. Und er berichtet von einer Kochlektion, die ihm ein sechsjähriges Mädchen erteilt hat.
Sie haben sich im Frühjahr 2005 einen lang gehegten Wunsch erfüllt und sind nach Italien auf eine kulinarische Entdeckungsreise gegangen. Die Ausbeute können wir Ihrem neuesten Buch entnehmen. Was haben Sie während der Reise erlebt?
Italien war einfach toll! Das Essen ist dort immer so frisch und so lecker, und die Leute sind einfach fantastisch. Für sie ist das Essen eine Herzenssache, sie sind stolz auf ihre Küche, und sie können Stunden lang darüber diskutieren, wer den besten Eintopf macht oder das beste Olivenöl hat. Jede Region hat ihre eigene Küche, und eine ist besser als die andere. Es gibt enorme Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Dörfern, und zwar nicht nur in Bezug auf die Küche, auch in Tradition, Lebensstil etc. Deshalb finde ich Italien so aufregend! Dorthin zu fahren, diese tollen Leute zu treffen, von ihnen zu lernen und mit ihnen zu kochen: Diese Erfahrung hat mir wieder einmal bewusst gemacht, warum ich es so liebe, zu kochen und zu essen.
Sie haben sich auch vorher schon intensiv mit der italienischen Küche befasst, sich inspirieren lassen. Haben Sie in Italien auch Restaurants besucht?
Ich habe während meiner Reise einige Restaurants besucht. Einmal hatte ich das Glück, zusammen mit dem Fischer und Restaurantchef Giovanni in seinem Restaurant La Scaletta auf der sizilianischen Insel Marettimo zu kochen. Er forderte mich dazu auf, eine Mahlzeit für all seine Stammgäste zuzubereiten - das war ein Erlebnis! Ich war vorher noch nie in einem Restaurant, in dem der Küchenchef raucht und Wein aus der Flasche trinkt!
Aber meistens habe ich versucht, das Essen des "echten Italiens" zu finden. Also habe ich einheimische Fischer, Bäckereien in Familienbetrieb und Märkte gesucht. Ich wollte Orte entdecken, die die Italiener selbst aufsuchen, wenn sie eine Kleinigkeit essen möchten. Dort lässt sich die echte Leidenschaft der italienischen Küche finden! Ich habe meinen Anhänger mit der mobilen Küche überall mit hin genommen, und hatte ihn auch immer in Betrieb - um für eine Gräfin zu kochen, die ich besuchte, für einige Mönche und sogar für Arbeiter bei der Traubenlese in der Toskana!
Die italienische Küche und die Menschen in diesem Land haben Sie immer fasziniert und inspiriert. Was kann man nur dort in Italien lernen?
Ich bin nach Italien gefahren, weil ich meine Leidenschaft für das Essen und Kochen neu entfachen wollte. Bei all meinen alltäglichen Verpflichtungen drohte ich aus den Augen zu verlieren, warum ich eigentlich Küchenchef bin. Ich musste mal raus, herumreisen und den "Geist Italiens" erfahren - das Land besuchen, in dem Essen und Kochen für das Familienleben eine so zentrale Bedeutung haben. Es war toll, neue Zutaten kennen zu lernen und mit dem wunderbaren Obst und Gemüse der Saison zu arbeiten - die Qualität der Zutaten war einfach großartig. Und bei der Pasta macht den Italienern sowieso keiner was vor. In der apulischen Stadt Altamura erfuhr ich, wie man die besten Orecchiette macht - von einem sechsjährigen Mädchen!
Waren Sie quasi inkognito unterwegs oder kannte man Ihr Gesicht bereits? In England und Deutschland würden sich wahrscheinlich schnell Autogrammjäger um Sie scharen.
Meistens hatten die Leute nicht die geringste Ahnung, wer ich bin! In den entlegeneren Regionen des Landes hat nicht jeder einen Fernseher, also kannte mich dort niemand. Aber die Leute dürften sich schon gefragt haben, wer zum Teufel dieser laute junge Mann aus Essex ist, der da bei ihnen hereinschneite, sie bekochte und dann mit Fragen bombardierte. Das war manchmal schon eine Herausforderung, denn einige mochten es nicht, dass da jemand hereinplatzte - aber das spornte mich nur noch mehr an. Es war eine echte Lektion in Sachen Bescheidenheit.
Haben Sie in Italien die sprichwörtliche Lebensfreude und die Leidenschaft beim Kochen gefunden, oder ist das inzwischen ein Mythos?
Als ich meine Italienreise beendet hatte, fing ich langsam an, die wahre "Lebensfreude" Italiens zu verstehen. Ich habe das Gefühl, dass in Italien alles irgendwie mit dem Essen zu tun hat. Ob sie nun reich oder arm ist: Die Familie setzt sich zusammen an den Tisch, um eine frisch zubereitete, köstliche Mahlzeit zu sich zu nehmen und dabei zu reden, zu diskutieren, zu lachen, was auch immer. Diese Lebensfreude ist definitiv kein Mythos, es gibt sie immer noch - zumindest in den Häusern der Italiener, denen ich begegnet bin.
Welches war das Highlight Ihrer Italienreise und was der größte Flop (Sie brauchen keine Namen nennen!)?
Jamie Oliver: Das Highlight war das Geburtstagsessen, das ich am Ende meiner Reise zubereitet habe. All die verschiedenen Menschen, die ich unterwegs getroffen hatte, kamen, um zusammen mit mir zu essen und zu feiern. Das war eine tolle Erfahrung: Alle saßen um einen großen Tisch herum, rückten eng zusammen und diskutierten übers Essen und darüber, wer das beste koche - wieder mal! Es war einfach toll, als sich alle einig waren, dass ihnen schmeckte, was ich gekocht hatte!
Einen richtigen "Flop" gab es eigentlich nicht, aber doch einige Herausforderungen - etwa den Markt, auf dem ich frische "Fast Food" zubereiten und dann Leute dazu bringen musste, es zu probieren. Aber das gehört dazu, wenn man etwas lernen will.
Sie engagieren sich u.a. für die gesunde Ernährung von Schulkindern, inzwischen kocht man in Tausenden englischen Schulen nach Ihren Rezepten, auch in Berlin haben Schulen damit angefangen. Was machen Sie anders als die herkömmliche Kantinenversorgung?
Jamie Oliver: Es ist wirklich ganz einfach. Die meisten Kids ernähren sich alles andere als ausgewogen, was sich in ihrer Stimmung, ihrer Konzentrationsfähigkeit, ihrem Gewicht und damit ihrer Gesundheit niederschlägt. Ziel meiner Kampagne für eine bessere Ernährung war es, das Bewusstsein für diese Situation in den englischen Schulen zu schärfen und die Regierung dazu zu bringen, mehr Geld für vernünftiges Schulessen zur Verfügung zu stellen. Ich denke, jedes Land hat in dieser Hinsicht seine Besonderheiten, und nicht alle Kinder bekommen ein Schulessen. Dennoch sind Übergewicht und die Gefahren von Junk Food-Ernährung überall ein Thema. Es geht darum, Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern beizubringen, was frisches, gesundes und nahrhaftes Essen ist, woher es kommt, wie es schmeckt und wie gut es sein kann - damit sie neugierig werden und eher bereit sind, etwas Neues zu probieren.
Eines der Berliner Kinder, das in den Genuss Ihrer Gerichte kommt, wurde gefragt, wer Jamie Oliver sei, und antwortete: "Der hat das Essen erfunden!" Sie sind hoffentlich geschmeichelt?!
Jamie Oliver: Das schmeichelt mir natürlich sehr - aber es erschreckt mich auch. Denn genau deshalb ist die "Feed Me Better"-Kampagne so wichtig. Die Kids haben einfach keine Ahnung von Ernährung und ihrer Geschichte. Etwas darüber zu erfahren, sollte Teil ihrer Kindheit sein und nicht etwas, wovon sie eines Tages zufällig im Fernsehen erfahren.
Wo werden Sie denn Ihren nächsten Urlaub verbringen?
Ich habe noch keine Ahnung! Ich habe den ganzen August frei, und ich möchte diese Zeit mit meinen reizenden Mädchen verbringen, meiner Frau Jools und meinen Töchtern Poppy und Daisy.
© Henrik Flor, Literaturtest
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