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Interviews
Hier präsentieren wir einige unserer Interviews, geordnet nach den Anfangsbuchstaben der Autoren.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

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Arnaldur Indridason
Todeshauch
Lübbe

Interview mit Arnaldur Indridason

Sie leben mit Ihrer Frau und Ihren Kindern in der isländischen Hauptstadt Reykjavik. Wie sieht Ihr Leben dort aus? Schreiben Sie jeden Tag eine bestimmte Anzahl von Stunden? Oder entstehen Ihre Bücher in einem "Schreibrausch"?
Ich arbeite zuhause. Meine Frau ist Lehrerin, und unsere Kinder gehen in die Schule. Das heißt also, das ich in den Morgenstunden und am frühen Nachmittag ungestört bin. Ich versuche, diese Zeit optimal zu nutzen. Ich setze mich morgens an meinen Computer und arbeite, bis alle nach Hause kommen. Im Sommer oder wenn ich gerade ein Buch veröffentlicht habe, existiert dieser Tagesablauf natürlich nur in der Theorie. Aber ein Schriftsteller hört nie wirklich auf zu arbeiten - Tag und Nacht gehen einem Ideen im Kopf herum. Es ist ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, Urlaub machen zu wollen - aber wir bemühen uns natürlich. Wenn ich schreibe, habe ich einige grundlegende Vorstellungen, was in dem Buch passieren wird. Bei "Todeshauch" war mir von Anfang an klar, dass es darin um häusliche Gewalt gehen soll, und dass sich die Geschichte in zwei verschiedenen Zeiten abspielen wird. Aber bevor ich mit dem Schreiben beginne, muss ich nicht wissen, wie das Buch endet. Alle kleinen Details und Personen, die darin vorkommen, entstehen wirklich in einer Art Schreibrausch.

Island gilt als vergleichsweise friedlicher Ort. Wie kamen Sie auf die Idee, Kriminalromane zu schreiben?
Bei meinem ersten Buch hatte ich eine Idee und wollte einfach wissen, ob ich dazu in der Lage bin, sie auch zu Papier zu bringen. Es ging dabei um illegale Medikamententests in einer Grundschule. Ich habe diese Geschichte schließlich aufgeschrieben, und sie entwickelte sich zu einem Krimi. Bis zu dieser Zeit war in Island so gut wie kein einziger Kriminalroman veröffentlicht worden. Mein Buch wurde weder sonderlich gut besprochen, noch verkaufte es sich gut. Das hat mich jedoch nicht davon abgehalten, die Reihe um Erlendur zu entwickeln, die letztendlich sehr beliebt wurde. Ich weiß nicht, ob Island als ein friedlicher Ort bezeichnet werden kann. Manchmal ist es das, manchmal aber auch nicht. Auf jeden Fall ist es ein faszinierendes Land für einen Krimiautor. Aber ich finde es auch nicht so entscheidend, wo die Geschichte spielt. Es kommt darauf an, dass sie gut ist. Ich glaube, die Tatsache, dass meine Krimis in Island, bzw. in Reykjavik spielen, gibt meinen Büchern eine zusätzliche Note. Ich versuche, diese Besonderheit als ein entscheidendes Element herauszuarbeiten. Ich bin eben Isländer, und die erste Regel, die ein Schriftsteller befolgen sollte, ist, über das zu schreiben, was er kennt.

In Ihrer Heimat Island haben Sie großen Erfolg, mehrere Ihrer Bücher finden sich in den Bestsellerlisten. Wie ist es, auf einer Insel mit knapp 290.000 Einwohnern ein bekannter Schriftsteller zu sein? Sind Sie eine Art Nationalheld?
Ich habe wirklich keine Ahnung. Für einen Schriftsteller ist es natürlich sehr schön, wenn seine Bücher gelesen und geschätzt werden. Ich bin sehr dankbar für das große Interesse der Isländer an meiner Arbeit. Es gibt mir das Gefühl, dass ich das Richtige tue.
Oftmals verknüpfen Sie in Ihren Kriminalromanen mehrere Zeitebenen miteinander. Was bedeutet Zeit für Sie? In all meinen Büchern spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. Zeit fasziniert mich als eine Kraft, die verändert und zerstört, aber gleichzeitig auch Wunden heilt und Trost spendet. Das steht in engem Zusammenhang mit Erinnerungen - mit guten und mit schlechten. Es ist sehr interessant, welche Auswirkungen Zeit auf bestimmte Personen hat. Das kann man beispielsweise beobachten, wenn eine Figur in unterschiedlichen Lebensphasen vorgestellt wird. Es ist ein äußerst kompliziertes Thema, und ich habe selbst noch nicht alle Antworten darauf gefunden, wie der Aspekt Zeit meine Werke beeinflusst. Ich bin mir jedoch sicher, dass er zu einem großen Teil meinen Stil und den Charakter meiner Geschichten bestimmt.

Die Fragen stellte Ulrike Künnecke.
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