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Interviews
Hier präsentieren wir einige unserer Interviews, geordnet nach den Anfangsbuchstaben der Autoren.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

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Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer
Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit
Rowohlt

Interview mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Wer hatte eigentlich die Idee zu "Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit"? Haben auch Patienten nach einem solchen Werk gefragt?
Das Projekt hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt, auch in verschiedenen Gesprächen mit dem Rowohlt Verlag. Entscheidend waren aber letztlich meine Erfahrungen aus den Gesprächen mit Patienten, die mir gezeigt haben, wie hoch der Bedarf an Aufklärung ist. Denn die Medizin entwickelt sich immer schneller: Allein das medizinische Wissen verdoppelt sich alle fünf Jahre. Und wir Ärzte und Therapeuten haben im medizinischen Alltag leider immer weniger Zeit. Gerade aber weil die Medizin so kompliziert geworden ist, sollten wir sie wieder verständlich machen - und das ist mein Ansatz in diesem neuen Buch.

Wie würden Sie das Konzept des Buches charakterisieren? Was macht "Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit" anders als andere Gesundheitsratgeber?
Das Buch ist insbesondere gedacht zur Vorbereitung auf einen Besuch beim Hausarzt oder zum Nachlesen nach einem Arzttermin, deshalb wurde der Begriff "Hausbuch" bewusst gewählt. Ausgehend davon, dass Patient und Arzt Partner sind, wurde im "Neuen Hausbuch der Gesundheit" kein Ansatz oder Stil gewählt, der sich an akademisch Vorgebildete richtet, womöglich mit Lateinkenntnissen. Im Gegenteil: Es werden hier selbst schwierige Sachverhalte einfach und verständlich dargestellt. In einem Team aus Ärzten und Wissenschaftlern, Krankengymnasten, Sporttherapeuten und Fachjournalisten wurde, unterstützt durch den Rat praktisch erfahrener Kolleginnen und Kollegen, das Grundlagenwissen über die wichtigsten Volkskrankheiten zusammengefasst; und auch die wichtigsten Aspekte von Diagnostik und Therapie werden in diesem Buch erklärt.
Schulmedizin, Naturheilkunde und Hightech werden von mir nicht als konkurrierende Disziplinen, sondern als Teile einer Ganzheit - der Humanmedizin - dargestellt und erläutert. Ebenso erkläre ich Röntgen- oder Kernspinbilder und Operationstechniken. Darüber hinaus habe ich in einem Kapitel auch Möglichkeiten zur Prävention durch gesunde Ernährung, Bewegung sowie eine positive Lebenseinstellung dargestellt. Insbesondere war es mein Anliegen, mit dem "Neuen Hausbuch der Gesundheit" eine Buchform zu erarbeiten, die die Angst vor dem Arzt und der Medizin nehmen und die Eigenverantwortung und das Selbstbewusstsein von Patienten stärken kann.

Wo liegen die Grenzen eines Buches wie diesem? Nach welchen Kriterien kann ich entscheiden, wann ich nicht mehr nachlesen, sondern zum Arzt gehen muss?
Der Schwerpunkt liegt auf den so genannten Volkskrankheiten, oder besser: Alltagserkrankungen, die vorwiegend durch unsere moderne Lebensweise hervorgerufen werden. Weil wir unseren Körper, aber auch unsere Psyche oft in alltägliche Zusammenhänge zwingen, die unserer Gesundheit nicht gut tun, leiden viele von uns an denselben Erkrankungen: z.B. Rückenschmerzen, Arthrosen, zu hohem Blutdruck, Allergien, depressiven Stimmungstrübungen oder einem Burn-out-Syndrom. Es geht vor allem um Wissensvermittelung. Jeder soll die Möglichkeit bekommen, selbst etwas für Prävention und Gesundheitserhaltung zu tun.
Gleichzeitig soll gezeigt werden, welche modernen diagnostischen Verfahren und Therapievarianten es bei einer akuten Erkrankung gibt. Keinesfalls ist es eine Anleitung zur reinen Selbstmedikation und Selbstdiagnose, dies muss immer in Absprache mit einem Arzt geschehen. Im Buch werden zudem immer deutliche Hinweise gegeben, zu welchem Zeitpunkt ein Arzt aufgesucht werden sollte. Bestimmte Erkrankungen, die immer einen Facharzt erfordern - beispielsweise in der Gynäkologie oder Pädiatrie oder auch bei onkologischen Fragestellungen -, sind bewusst nicht aufgenommen worden.

Sie arbeiten als Arzt, Hochschullehrer, Forscher und Autor. Wie sieht Ihr täglicher Stundenplan aus?
Der ist eigentlich viel zu voll... Aber dank eines Teams von Ärzten (z.B. Orthopäden, Neurologen, Kardiologen, Anästhesisten, Schmerztherapeuten, Radiologen oder Naturheilkundler), die interdisziplinär arbeiten, und einem hervorragenden Stab wächst mir die Arbeit nicht gänzlich über den Kopf. Ein gutes Zeitmanagement ist erforderlich, dennoch klappt nicht immer alles perfekt. Entscheidend für mich ist - vielleicht ein Wesenszug von mir -, dass ich mich mit Begeisterung und Leidenschaft in Projekte vertiefe, die ich für sinnvoll halte, und dabei nicht auf die Uhr sehe. Dass das dann so klappt, verdanke ich nicht zuletzt auch meiner Familie.

Ihren Lesern empfehlen Sie "Lebe mit Herz und Seele". Was bedeutet diese Maxime für Ihr Leben? Wie entspannen Sie nach einem arbeitsreichen Tag?
Mit dieser Formulierung möchte ich dazu ermuntern, trotz vielfältiger Anforderungen und Alltagsstress nicht die eigene Mitte und eine positive Lebenseinstellung zu verlieren. Wichtig ist es, menschlich und neugierig zu bleiben - allen Menschen und Lebenssituationen gegenüber, sich nie auf eine Funktion reduzieren zu lassen und auch andere nicht zu reduzieren. Ich versuche jeden Tag, nach dieser Maxime zu leben. Am liebsten lasse ich den Tag im Kreis der Familie ausklingen. "Dies Leben ist eines der schönsten!" ist meine Devise.

In Ihren Büchern geben Sie dem Familienzusammenhalt einen großen Stellenwert. Wie oft sehen Sie Ihren Bruder Herbert? Sind Sie vielleicht sogar so etwas wie sein "Leibarzt"?
Als ärztlicher Ratgeber stehe ich natürlich der gesamten Familie zur Verfügung. Sie haben sicher Verständnis, dass ich hier dazu nichts weiter sagen möchte.

Man sagt, Sie seien ein "Ruhrpott-Kind". Mit Ihrem Buch "Mein Ruhrgebiet" haben Sie den Beweis dafür geliefert. Was lieben Sie besonders an Ihrer Heimat?
Ich bin Weltbürger, aber das Ruhrgebiet ist mein Wohnzimmer. Mir gefällt einfach die besondere Art der herzlichen Menschen hier, auch dieser Schmelztiegel von Kulturen und Lebensstilen. Der Ruhrpott ist viel spannender, als sich viele das vorstellen... - übrigens auch viel grüner. Es gibt hier nicht nur Kohle und Stahl, sondern, im Gegenteil, viele "weiße Branchen" - das Medical Valley Ruhr ist inzwischen ein Begriff -, und das Ruhrgebiet ist auch kulturell von großer Dynamik und hoher Anziehungskraft.

Schon Goethe sagte: "Wo viel Licht ist, ist auch Schatten". Welche sind die Schattenseiten Ihres Berufes und Ihrer Popularität?
Wer sich der Öffentlichkeit stellt, erntet nicht nur Lorbeeren, sondern muss auch mit Kritik rechnen. Nicht immer gelingt es ja, seine Ideen oder Vorschläge ganz klar zu vermitteln. Trotzdem trifft es mich, wenn Vorwürfe ungerecht sind. Ich möchte eine andere Wahrnehmung der Medizin schaffen: nicht als Kostenfaktor, wie dies meistens geschieht, sondern als Element der Kultur. Gesundheit sehe ich als Basis zur Gestaltung des individuellen Lebens und der Gesellschaft. Jeder einzelne Mensch sollte dazu positiv beitragen können. Und ich möchte auch ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die verschiedenen Medizinschulen aufeinander zugehen und voneinander lernen - Medizin als Weltkulturerbe. Und dazu brauche ich einen langen Atem und auch viele Partner und "Weggefährten".

Kaum ist ein Buch vorgelegt, wird der Autor nach dem nächsten gefragt - haben Sie schon weitere Pläne?
Ideen schon, aber für ein neues Buch habe ich im Moment gar keine Zeit und Kraft. Erst einmal steht wirklich das "Neue Hausbuch der Gesundheit" im Vordergrund.

© Roland Große Holtforth, Literaturtest
im Auftrag von Weltbild