Aktuelles
Home
Impressum
Kontakt
Literaturtest
PR und MarketingTextInternetLiteraturfilmReferenzen

Interviews
Hier präsentieren wir einige unserer Interviews, geordnet nach den Anfangsbuchstaben der Autoren.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

 A  B  C  D  E  F |G| H  I  J  K  L  M  N 

 O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z 

Elizabeth George
Wo kein Zeuge ist
Blanvalet

Interview mit Elizabeth George

In "Wo kein Zeuge ist" sind Lynley und Havers einem Serienmörder auf der Spur. Wie haben Sie sich dem Thema genähert?
Ich habe einige Bücher über Serienmörder gelesen, die ja auch in meinen Danksagungen am Ende des Romans erwähnt werden. Eines davon stammt von Ian Brady. Er sitzt seit den 60er Jahren im Gefängnis, nachdem er in Yorkshire, England, eine ganze Reihe von Morden begangen hatte.

Thomas Lynley und Barbara Havers sind ein großartiges Team. Dennoch erweist sich ihre unterschiedliche Herkunft immer wieder als trennende Kluft. Glauben Sie, solche Unterschiede sind letztlich unüberwindlich?
Schicht- bzw. Klassenunterschiede sind tief in der englischen Gesellschaft verankert. Ich bezweifle stark, dass sie jemals völlig zum Verschwinden gebracht werden können.

Mit Winston Nkata, einen afro-britischen Sergeant, erhält das Ermittlerteam Verstärkung bei der Suche nach dem Serienmörder. Mit ihm kommen zu den Konflikten durch die Standesunterschiede auch noch solche durch die verschiedene ethnische Herkunft. Welche Rolle spielt die Figur Winston Nkata innerhalb der Romans?
Ich sehe eigentlich keine rassisch begründeten Spannungen zwischen den Ermittlern. Doch Nkata steht tatsächlich für das multinationale, multiethnische London. Wenn Sie mich fragen: London ist für mich die einzige wirklich internationale Metropole auf der Welt.

Sie geben mehrmals im Jahr Schreib-Workshops. Was mögen Sie am Lehren?
Schreiben zu lehren hilft mir, mir über meinen eigenen Schreibprozess Klarheit zu verschaffen, in dieser Hinsicht "ehrlich" zu bleiben.

Seit Jahrzehnten beschäftigen Sie sich beruflich mit Mord und Totschlag. Wie ist das, täglich über Verbrechen nachzudenken? Prägt es Sie?
Verbrechen sind Teil des Lebens. Ich habe mich immer - und zwar schon als Kind - dafür interessiert, was sich im Gehirn eines Kriminellen abspielt. Es geht hier um den Menschen auf Abwegen. Ich möchte wissen, was die Leute dazu bewegt, die Dinge zu tun, die sie tun.

Sie leben in Kalifornien, Ihre Bücher spielen in England. Wie sieht da die Recherche aus? Verbringen Sie viel Zeit am "Ort des Verbrechens"?
Ich recherchiere immer selbst, und immer am Ort der jeweiligen Handlung.

Lynley und Havers begleiten Sie seit dem Erscheinen Ihres Debütromans 1989. Sind Sie Ihrer Figuren manchmal überdrüssig (wie es Arthur Conan Doyle mit seinem Sherlock Holmes erging)?
Ich denke nie daran, Lynley und Havers loszuwerden - einfach weil ich beide Figuren bewusst mit einem sehr vielfältigen und differenzierten Hintergrund ausgestattet habe, der sehr viel weiter reicht als der Plot des jeweiligen Kriminalromans. Das hat Conan Doyle bei Sherlock Holmes nicht gemacht. Holmes war eigentlich nur dazu da, die Verbrechen aufzuklären. Wenn ein Detektiv nur zu diesem Zwecke existiert, wundert es mich nicht, wenn ein Autor irgendwann die Nase voll von ihm hat.

© Ulrike Künnecke, Literaturtest
im Auftrag von Amazon.de