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Interviews
Hier präsentieren wir einige unserer Interviews, geordnet nach den Anfangsbuchstaben der Autoren.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

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Andreas Eschbach
Der Nobelpreis
Lübbe

Interview mit Andreas Eschbach

Beim "Cyborg" Fitzgerald wie auch beim "Jesus Video" erzählen Sie eine unglaubliche, aber dennoch denkbare Geschichte. Sind unheimliche Parallelwelten der Gegenwart so etwas wie Ihre "Spezialität"?
Wenn Sie meine Verleger fragen, dann werden die den Kopf schütteln und kummervoll sagen, "nein, seine Spezialität ist, dass er mit jedem Buch etwas total anderes macht!" - kummervoll deshalb, weil die Marketingabteilung, der Vertrieb, die Buchgestalter usw. mit jedem meiner Romane gewissermaßen von vorn anfangen müssen. Es wäre viel einfacher, ich würde immer dieselbe Art von Buch schreiben. Aber irgendwie gelingt mir das nicht... :-)
Sie haben insofern recht, dass viele Romane in einer Parallelwelt spielen, und oft ist sie unheimlich. Aber nicht alle diese Parallelwelten sind erfunden. Es ist eine Illusion zu glauben, wir lebten alle in derselben Welt. Stellen Sie sich einen Vorstandschef, einen islamistischen Selbstmordattentäter, eine berühmte Fernsehmoderatorin und eine alleinerziehende Mutter in den Slums von Mexico City vor: dann haben Sie vier Menschen, die in vier grundverschiedenen Welten leben, die ganz, ganz wenig Berührungspunkte miteinander haben.

Sie schreiben auch Jugendbücher. Mit dem "Marsprojekt" entsteht gerade eine neue SF-Serie. Worin liegen für Sie die Unterschiede zwischen dem Schreiben von Jugendbüchern und dem von ("Erwachsenen"-)Romanen?
Ich sehe keine großen Unterschiede. Was ein Jugendbuch von einem Roman für Erwachsene unterscheidet, ist lediglich, dass die Helden erst fünfzehn Jahre alt sind, und es weniger Gewalt und Sex gibt - abgesehen davon schreibe ich einen solchen Roman ganz genau so, wie ich alle meine Romane schreibe. Und es ist ja kein Geheimnis, dass meine Jugendromane auch von Erwachsenen gern gelesen werden. Da hat man ja heutzutage zum Glück keine Berührungsängste mehr.

Bevor Sie Romanautor wurden, haben Sie Luft- und Raumfahrttechnik studiert und als Programmierer gearbeitet. Was bedeutet Ihnen das Schreiben, was die anderen Berufe Ihnen nicht bedeuteten?
Ich habe das Schreiben und Geschichtenerfinden als meine Berufung empfunden, seit ich denken kann. Bloß ist es bekanntlich schwer, mit dieser Tätigkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Deshalb habe ich erst nach einem akzeptablen Brotberuf gesucht, um mir im Schreiben meine Freiheit zu bewahren und nicht zu irgendetwas gezwungen zu sein, nur um die Miete bezahlen zu können. Ich habe diese Tätigkeiten auch nicht ungern ausgeübt; gerade das Programmieren hat mir immer Spaß gemacht, und ich war auch nicht schlecht, glaube ich. Trotzdem habe ich nicht lange gezögert, als sich die Möglichkeit auftat, mich vollständig aufs Schreiben zu konzentrieren. Es ist nicht jedermanns Sache, den größten Teil seiner wachen Zeit allein in einem stillen Zimmer zu verbringen und Worte aneinander zu reihen, aber meine Sache ist es ganz eindeutig.

Sie leben mit Ihrer Frau in der Bretagne. Wie gefällt Ihnen Ihr Leben in der Wahlheimat? Gibt es dort etwas, was Sie besonders zum Schreiben inspiriert?
Es ist sehr inspirierend, hier zu leben, das stimmt, aber ich weiß eigentlich nicht so genau, was es ist, das mich inspiriert. Das Land? Das Meer? Oder die Ruhe, die Abgeschiedenheit, der gemächliche Lebensrhythmus, in den man fast unwillkürlich fällt? Vielleicht finde ich es noch heraus. Und ja, natürlich gefällt es uns hier großartig - aus diesem Grund sind wir schließlich hergezogen. Nach über vier Jahrzehnten im Schwabenland genießen wir es, nun in einer ganz andersartigen Landschaft die Welt sozusagen noch einmal neu zu entdecken.

© Ulrike Künnecke, Literaturtest
im Auftrag von Weltbild