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Karl Dall
Auge zu und durch
Hoffmann & Campe
Interview mit Karl Dall
Sie bekennen sich mitschuldig am Untergang des deutschen Fernsehens. Was meinen Sie damit?
Ich meine es genauso, wie ich es in "Auge zu und durch" geschrieben habe. Das heißt aber nicht, dass ich für diese elenden Gerichtsshows verantwortlich bin. Es rührt wohl mehr von den Ausstrahlungen meiner Kinofilme aus den 80er Jahren her. Obwohl, wie die WELT schrieb, "DALL-AS" das Mutigste war, was RTL jemals gebracht hat. Sollte ich mich vielleicht selbst falsch eingeschätzt haben?
Einmal gaben Sie dem Dall ein Jahr Fernsehverbot, nein dem Fernsehen ein Jahr Dallverbot, oder wie nun? Wie kam es denn dazu?
Nachdem Radio Bremen verkündet hatte, mich nicht mehr zu engagieren, habe ich (aus Rache oder Enttäuschung?) über ein volles Jahr kein TV-Studio mehr betreten.
Ihre Kindheit beschreiben Sie in Ihrer Biografie als unbeschwert. War es wirklich so leicht für Sie, der zum Kriegsende vier Jahre alt war?
Natürlich war es nicht so leicht - aber die guten Erinnerungen bleiben für immer, die schlechten verdrängt man. Das ist doch eine angenehme Sache, oder?
Mit 13 haben Sie Ihre Mitschüler erheitert und den Deutschlehrer verärgert, als Sie in einem Aufsatz schrieben, in zehn Jahren wollten Sie mit einem Cabrio und einem blonden Mädchen durch Ostfriesland, ihre Heimat, brausen. Wann wurde dieser Traum denn tatsächlich wahr?
Das war zwanzig Jahre später, und es war keine blonde Frau, sondern eine dunkle, und die Tochter Janina war sechs Wochen alt. Ein Cabrio sollte es auch nicht sein - aber ich war dennoch nicht suizidgefährdet.
Sie beschreiben sich selbst als Klassenclown. Die Schule war nicht ihr größter Freund. Wie schwer wiegt es da, in einem Lehrerhaushalt aufzuwachsen?
Ich denke mal, der Lehrerhaushalt war mit ein Auslöser für das Desaster. Lehrerkinder sollen immer die besten Schüler sein. Das hat noch in keiner Familie geklappt.
Bei der Bundeswehr haben Sie es genau elf Tage ausgehalten. Sie arbeiteten als Schriftsetzer und Komparse und haben eine Zeitschrift von Wolfgang Neuss in Kneipen verkauft. Es scheinen lustige Zeiten gewesen zu sein. Wie schwer war es wirklich, den Erfolg zu haben, den Sie immer wollten? Und wie ehrgeizig ist Karl Dall tatsächlich?
Das ist ja das Problem - ich bin kaum ehrgeizig. Mir sind sehr viele Dinge im Leben zugeflogen. Nur: Wenn ich etwas gemacht habe, wollte ich auch nicht versagen. Mein Improvisationstalent hat mir dabei sehr geholfen.
Zu behaupten, Sie seien nicht immer ernst oder voller Respekt, wäre eine glatte Untertreibung. Ihre Ausführungen zu Ingo Insterburg allerdings, Ihrem legendären "Bandleader" bei "Insterburg & Co.", sind fast ehrfürchtig. Ertappt?
Nö, Ingo kann sehr schwierig sein - das habe ich in meinem Buch auch geschrieben. Ich zolle ihm nur den Respekt, den er als Künstler verdient. Er hat die schönsten Lieder und Verse gemacht, die ich kenne.
In Ihrer Biografie ist von überraschenden Begegnungen die Rede. Georg Kreisler war Untermieter bei Ihnen, mit Udo Jürgens sind Sie befreundet, Sie sind ein Bewunderer von Inge Meysel. Was verbindet Sie mit diesen Menschen?
Kreisler, Jürgens und Meysel sind Menschen mit eigenen Persönlichkeiten. Die ziehen oder zogen ihr "Ding" durch. Das ist in der Branche leider sehr selten geworden, überall sieht man nur noch diese Angepassten, diese berufsfreundlichen Grinsemänner. Nun ja, auch die muss es geben. Aber warum so viele?
Live-Sendungen mit Karl Dall waren ein Sicherheitsrisiko für die Fernsehstationen. So beschreiben Sie im Buch einen Eklat im "Musikladen" 1980. Was war da los, und ist es immer noch so "gefährlich", Sie live auftreten zu lassen?
Nichts ist gefährlicher. Heino und Peter Alexander habe ich damals veräppelt und mir dafür eine "rote Nase" geholt. Heute kann man fast alle beschimpfen, aber das macht kaum noch Spaß! Man macht sie nur noch größer damit.
Wie anstrengend ist es eigentlich zu vermeiden, in Schubladen gesteckt zu werden. Oder anders gefragt: Wollen Sie, wenn schon, lieber eine Schublade ganz für sich allein?
Ich habe mehrere Schubladen für mich allein. Wenn ich raus will, dann hüpfe ich von der einen in die andere. Dadurch habe ich schon ein richtiges "Schubladen-Denken" entwickelt.
Karl Dall weiß hauptsächlich, was er nicht will - ein Zitat aus Ihrem Buch, das sich auf Ihre Jugendzeit bezieht. Gilt diese Aussage noch immer?
Was ich einmal gesagt oder geschrieben habe, dazu stehe ich.
© Mathias Voigt, Literaturtest
im Auftrag von Weltbild
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