Aktuelles
Home
Impressum
Kontakt
Literaturtest
PR und MarketingTextInternetLiteraturfilmReferenzen

Interviews
Hier präsentieren wir einige unserer Interviews, geordnet nach den Anfangsbuchstaben der Autoren.
Mehr über unsere Arbeit in diesem Bereich erfahren Sie hier.

 A  B |C| D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N 

 O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z 

Mary Higgins Clark
Der verlorene Engel
Heyne

Interview mit Mary Higgins Clark

Sie wurden 1928 als Tochter irischer Einwanderer in New York geboren. Glauben Sie, es stimmt, dass den Iren das Geschichtenerzählen im Blut liegt und auch Ihnen diese Leidenschaft von Ihren Vorfahren in die Wiege gelegt wurde? Und gibt es in Ihrem Schreiben Elemente, die Sie als "typisch irisch" empfinden?
Ich habe immer gesagt, dass meine irische Herkunft der Grund dafür ist, dass ich seit meiner Kindheit Geschichten erzähle. Es gibt ein wunderbares Zitat über den irischen Dichter und Dramatiker William Butler Yeats: "...als Ire hatte er einen immerwährenden Sinn für Tragik, der ihm half, die zeitweiligen Perioden der Freude zu überstehen."

Übrigens: Wirklich spannende Romane vermitteln ihren Lesern immer unterschwellig das Gefühl: "Hier läuft irgendetwas schief". Und wir Iren glauben immer, dass ein Übel im Anmarsch ist, auch wenn gerade alles ganz gut aussieht.

Sie mussten einige Absagen hinnehmen, bevor 1975 Ihr erster Thriller "Wintersturm" mit großem Erfolg veröffentlicht wurde. Wie behält man unter diesen Umständen als Schriftstellerin den Glauben an seine eigenen Fähigkeiten? Hatten Sie Freunde, die Sie in Ihrer Arbeit unterstützten?
Ich habe nie daran gezweifelt, dass ich eines Tages eine erfolgreiche Schriftstellerin sein würde, auch wenn das im Rückblick jetzt vielleicht überheblich klingen mag. Ich bin davon überzeugt, dass es in der Anfangszeit für einen Schriftsteller wichtig ist, sich einer Autorengemeinschaft anzuschließen. Die Aufmunterung und Unterstützung durch Menschen, die die gleichen Ziele verfolgen, schaffen neue Energien und erfüllen einen wieder mit Leben.

Wie hat sich Ihr Leben und das Ihrer Familie verändert, als Sie dann plötzlich eine berühmte Autorin waren? Wie bedeutend war der Erfolg von "Wintersturm" für Ihre Entwicklung als Autorin?
Der spürbarste Effekt meines plötzlichen Erfolges war, dass wir nach jahrelangen Sorgen darüber, wie wir unsere Rechnungen bezahlen sollen, das erste Mal Geld hatten. Es war ein Geschenk des Himmels, von heute auf morgen so viel Geld zu haben. Ich konnte den Kredit abbezahlen, den wir für die Ausbildung der Kinder aufgenommen hatten. Da "Wintersturm" so erfolgreich war, bezahlte mein Verleger Simon & Schuster einen sehr hohen Preis für meinen zweiten Roman. Und das war dann wirklich der finanzielle Durchbruch. Aber selbst wenn sich "Wintersturm" nicht so gut verkauft hätte, hätte ich nicht aufgehört, Bücher zu schreiben.

Ihre Tochter Carol ist eine bekannte Schauspielerin und Autorin. Einige Krimis schrieben Sie auch gemeinsam mit ihr, beispielsweise "Gefährliche Überraschung". Gestaltet sich eine Zusammenarbeit zwischen Mutter und Tochter denn nicht besonders schwierig?
Carol und ich genießen es absolut, miteinander zu schreiben. Es ist extrem hilfreich, manche Ideen zusammen durchzuspielen. Alle fragen, ob wir nicht wenigstens einen großen Streit hatten, seit wir zusammen Bücher schreiben. Die Antwort ist sehr einfach: Nein. Wir verfolgen mit unserer Arbeit beide das gleiche Ziel.

Sie selbst haben fünf Kinder, Ihr zweiter Mann brachte vier Kinder mit in die Ehe. Insgesamt haben Sie mittlerweile 16 Enkelkinder – man könnte sich vorstellen, dass Sie von Ihrer Familie rund um die Uhr auf Trab gehalten werden. Aber Sie haben es geschafft, mit Ihren Büchern zu einer internationalen Bestsellerautorin zu avancieren. Wann finden Sie die Zeit zum Schreiben? Was bedeutet das Wort "Disziplin" für Sie?
Ich bin sehr glücklich darüber, eine große Familie zu haben. Meine Kinder, die Kinder meines Mannes und unsere Enkelkinder leben alle nicht weit entfernt von uns. Wir sehen sie regelmäßig und verreisen auch ab und zu zusammen. Ich bin eine sehr disziplinierte Schriftstellerin. In meinem Vertrag ist vorgesehen, dass ich pro Jahr ein Buch schreibe. Manchmal, wie jetzt beispielsweise, schreibe ich zusätzlich noch ein Weihnachtsbuch mit Carol. Ich habe bisher noch keinen Redaktionsschluss verpasst und habe das auch in Zukunft nicht vor. Wenn ich einen Vertrag über ein neues Buch abschließe, dann schätze ich die Tatsache sehr, dass der Verleger mir in dem Punkt vertraut, dass ich das Manuskript pünktlich abgebe. Auch das ist für mich Disziplin. So weit, so gut.

Die Fragen stellte Roland Große Holtforth.
© Literaturtest